17.06.2025 | BLOG

3D-Druck - Designleitfaden für SLS-Bauteile: 12 Fehler, die Zeit & Geld kosten

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In der additiven Fertigung hat sich das selektive Lasersintern (SLS) als leistungsstarkes Verfahren für die Herstellung komplexer und funktionaler Bauteile etabliert. Doch trotz der enormen Gestaltungsfreiheit, die SLS bietet, gibt es einige Fallstricke, die sowohl Zeit als auch Geld kosten können. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen die häufigsten Designfehler bei SLS-Bauteilen und wie Sie diese vermeiden können.


1. Unzureichende Wandstärken

Einer der häufigsten Fehler ist die Unterschreitung der Mindestwandstärke. Bei SLS-Bauteilen sollte diese mindestens 0,8 mm betragen. Zu dünne Wände führen zu fragilen Strukturen, die während des Druckprozesses oder bei der Nachbearbeitung brechen können. Dies führt nicht nur zu Ausschuss, sondern verzögert auch die Produktionszeitpläne und erhöht die Kosten.

Tipp: Planen Sie mit einer Wandstärke von 1-1,5 mm für optimale Ergebnisse. Bei besonders belasteten Bereichen empfehlen wir eine Verstärkung auf 2-3 mm.


2. Fehlende Entspannungsbohrungen

Massive Volumenkörper speichern beim SLS-Druck viel Wärme. Ohne Entspannungsbohrungen oder Aussparungen entstehen innere Spannungen, die zu Verzug oder sogar Rissen führen können.

Tipp: Versehen Sie größere, massive Bauteile mit strategisch platzierten Entspannungsbohrungen oder integrieren Sie interne Strukturen, die das Materialvolumen reduzieren, ohne die Stabilität zu beeinträchtigen.


3. Zu kleine Detailstrukturen

SLS bietet zwar eine hohe Detailgenauigkeit, dennoch gibt es technische Grenzen. Strukturen unter 0,5 mm sind oft nicht zuverlässig reproduzierbar und können zu Fehldrucken führen.

Tipp: Halten Sie Detailstrukturen wie kleine Zapfen, Noppen oder Gravuren über 0,5 mm. Beachten Sie, dass vertikale Details besser abgebildet werden als horizontale.


4. Ignorieren der Baurichtung

Die Baurichtung hat erheblichen Einfluss auf die mechanischen Eigenschaften und Oberflächenqualität von SLS-Bauteilen. Viele Designer übersehen diesen kritischen Aspekt.

Tipp: Positionieren Sie funktionale Flächen und ästhetisch wichtige Bereiche möglichst so, dass sie nicht in Z-Richtung (vertikal) zeigen, da hier die Schichtlinien am deutlichsten sichtbar sind.


5. Fehlendes Pulverentweichungssystem

Ein großer Vorteil von SLS ist, dass keine Stützstrukturen benötigt werden. Allerdings muss das ungesinterte Pulver aus Hohlräumen entfernt werden können. Geschlossene Hohlkörper ohne Öffnungen führen zu eingeschlossenem Pulver, das das Gewicht erhöht und die Funktionalität beeinträchtigen kann.

Tipp: Planen Sie bei Hohlkörpern mindestens zwei Öffnungen mit einem Durchmesser von 3-5 mm ein – eine für das Auslaufen des Pulvers und eine für den Luftausgleich.


6. Übersehen von Toleranzen

SLS-Bauteile haben produktionsbedingte Toleranzen, die bei der Konstruktion berücksichtigt werden müssen. Das Ignorieren dieser Toleranzen führt zu Passschwierigkeiten bei der Montage.

Tipp: Kalkulieren Sie mit Toleranzen von ±0,2 bis ±0,3 mm je nach Bauteilgröße. Für Scharniere und bewegliche Teile sollten Sie einen Spalt von mindestens 0,5 mm vorsehen.


7. Ungeeignete Passungen für mechanische Verbindungen

Bei Steckverbindungen oder Schnappverschlüssen werden die spezifischen Materialeigenschaften von gesintertem Polyamid oft nicht ausreichend berücksichtigt.

Tipp: Gesintertes PA12 ist weniger flexibel als spritzgegossenes Material. Planen Sie daher bei Schnappverbindungen großzügigere Geometrien und vermeiden Sie zu filigrane Strukturen, die leicht brechen können.


8. Missachtung möglicher Bauteilschrumpfung

SLS-Materialien, insbesondere Polyamide,  unterliegen beim Abkühlen möglicher Schrumpfung. Wird dieser nicht in der Konstruktion berücksichtigt, entsprechen die finalen Bauteile nicht den gewünschten Dimensionen.

Tipp: Moderne Slicer-Software kompensiert den Materialschrumpf automatisch. Dennoch sollten Sie für hochpräzise Anwendungen Testdrucke durchführen und gegebenenfalls die Konstruktion anpassen.


9. Ineffiziente Bauteilpositionierung im Bauraum

Die Anordnung mehrerer Bauteile im Druckraum hat erheblichen Einfluss auf die Kosten. Eine ineffiziente Platzierung verschwendet wertvollen Bauraum und treibt die Produktionskosten in die Höhe.

Tipp: Designen Sie Ihre Bauteile so, dass sie möglichst kompakt im Druckraum angeordnet werden können. Nesting-Software kann helfen, die optimale Anordnung zu finden.


10. Ignorieren der Nachbearbeitungserfordernisse

Frisch gedruckte SLS-Bauteile haben eine leicht raue, körnige Oberfläche. Wird diese für die beabsichtigte Anwendung nicht akzeptiert, sind nachträgliche Bearbeitungsschritte erforderlich, die zusätzliche Kosten verursachen.

Tipp: Berücksichtigen Sie die erforderliche Oberflächenqualität bereits in der Designphase. Flächen, die später bearbeitet werden sollen, sollten mit entsprechenden Aufmaßen versehen werden.


11. Unterschätzung der strukturellen Anforderungen

SLS-gedruckte Bauteile haben andere mechanische Eigenschaften als spritzgegossene oder gefräste Teile. Die Missachtung dieser Unterschiede kann zu Bauteilversagen führen.

Tipp: Verstärken Sie kritische Bereiche und führen Sie bei belasteten Bauteilen FEM-Simulationen durch, um die Stabilität zu überprüfen. Beachten Sie, dass SLS-Bauteile anisotrope Eigenschaften aufweisen – die Festigkeit in Z-Richtung ist geringer als in X-Y-Richtung.


12. Vernachlässigung wirtschaftlicher Aspekte

Nicht jedes Bauteil ist für SLS optimal geeignet. Manchmal sind konventionelle Fertigungsverfahren wie CNC-Fräsen oder Spritzguss wirtschaftlicher, besonders bei höheren Stückzahlen.

Tipp: Evaluieren Sie kritisch, ob SLS für Ihr spezifisches Bauteil die richtige Wahl ist. Nutzen Sie die Gestaltungsfreiheit von SLS gezielt für komplexe Geometrien und konsolidierte Baugruppen, die mit herkömmlichen Verfahren nicht realisierbar wären.


Intelligentes Design spart Zeit und Geld

Die SLS-Technologie bietet faszinierende Möglichkeiten für innovative Produkte und Lösungen. Um diese Potenziale voll auszuschöpfen, lohnt es sich, die spezifischen Anforderungen und Grenzen des Verfahrens zu kennen und im Design zu berücksichtigen. Mit dem richtigen Leitfaden können Sie nicht nur Zeit und Geld sparen, sondern auch die Qualität und Funktionalität Ihrer Bauteile optimieren.

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